im mittelpunkt von entwurf + konstruktion iii steht die konstruktive durcharbeitung einer präzise abgegrenzten transformation des bestands. ausgehend von einer detaillierten analyse von tragwerk, gebäudehülle, erschließung, material und vorhandenen bauteilen in gruppenarbeit entwickelt jede/r studierende/r in weiterer folge einen entwurf, in dem räumliche idee und konstruktive umsetzung als untrennbare einheit verstanden werden. der bestand soll möglichst weitgehend erhalten, repariert und weitergenutzt werden. neue eingriffe sind hinsichtlich materialeinsatz, dem herauslösen, der fügung, der reversibilität und späterer anpassungsfähigkeit zu begründen.
das entwerfen master entwickelt eine übergeordnete transformationsstrategie für das ehemalige leiner-gebäude und dessen städtisches umfeld. die sozio-produktive werkstatt wird als erste keimzelle verstanden, von der aus räumliche, programmatische und organisatorische maßstabssprünge bis zum gebäude, quartier und stadtraum untersucht werden. im fokus stehen haus 2, der brückenbaukörper über der traungauergasse, die erschließung bei laufender handelsnutzung (billa) sowie die aktivierung von außenräumen.
in entwerfen 3 liegt der schwerpunkt auf der entwicklung einer ortsspezifischen räumlichen programmatik für den großmaßstäblichen leerstand. ausgehend von der sozio-produktiven werkstatt werden neue beziehungen zwischen wohnen, arbeiten, produzieren, lernen, caring und gemeinschaft untersucht. dabei steht nicht die addition voneinander getrennter funktionen im vordergrund, sondern deren räumliche, zeitliche und geschossübergreifende überlagerung.
wenn norbert elias sagt, „soziologen sind mythenjäger“, meint er damit auch nicht, dass wir die welt entzaubern wollten, oder diese erzählungen etwa nicht schätzen würden – ganz im gegenteil: richtig gelesen erklären sie uns viel über weltbilder, über die gesellschaft und das zusammenleben der menschen. die architektursoziologische ausgangsfrage in diesem semester lautet also: wann und warum wird zum beispiel ein haus glorifiziert oder als verwunschen beschrieben, wann und warum wird eine siedlung oder ein ganzes stadtviertel verrufen oder stigmatisiert? kann man die wirkmächtigkeit dieser narrative jemals aufheben oder umkehren? dafür werden wir zunächst einige basics der soziologie (er)klären, und uns danach mit teilen ihrer methodik (beobachtung, befragung und analyse) der frage nach dem „image“ eines konkreten ortes in graz widmen: „ist es wahr, was man erzählt?“.
gemeinsam betrachten wir städtische räume als räume der aushandlung und untersuchen, wie transformation als offener prozess gedacht werden kann.
wer nutzt einen ort, wem gehört er und wer entscheidet darüber was bleibt, was sich verändert und welche zukünftigen nutzungen möglich werden?
im mittelpunkt steht der versuch einer ergebnisoffenen planung –
nicht der entwurf eines fertigen zustands, sondern das erproben von verfahren,
durch die mögliche veränderungen sichtbar, überprüfbar und verhandelbar werden.
ausgehend vom bestand untersuchen wir gegenwärtige nutzungen, eigentumsverhältnisse, soziale und infrastrukturelle zusammenhänge sowie die unterschiedlichen akteur*innen eines ortes.
mit szenarien, texten, filmen, collagen oder räumlichen interventionen untersuchen wir mögliche transformationen und fragen, wie aus dem bestehenden neue handlungsräume entstehen können, ohne deren zukünftige entwicklung bereits festzuschreiben.“